Sensorische Integration: Was steckt hinter dem Begriff, den Lehrer*innen und Pädagog*innen immer öfter verwenden
- carinanacht
- 17. Juni
- 2 Min. Lesezeit

Hast du dich jemals gefragt, wie dein Kind es schafft, einen Ball zu fangen, Besteck zu benutzen oder in der Schule einen Aufsatz leserlich zu schreiben? All das scheint für uns Erwachsene ganz automatisch zu passieren. Doch im Hintergrund leistet das Gehirn des Kindes eine gewaltige Arbeit: nämlich die Sensorische Integration.
Doch was ist sensorische Integration überhaupt?
Sensorische Integration ist ein Prozess im Nervensystem. Man kann es sich wie einen Verkehrspolizisten im Gehirn vorstellen: Er nimmt alle Informationen auf, die über die Sinne hereinkommen, ordnet sie und entscheidet, wie der Körper darauf reagieren soll. Wenn dieser Prozess gut funktioniert, kann ein Kind angemessen auf seine Umwelt reagieren und erfolgreich spielen oder lernen.
Mehr als nur fünf Sinne
Die meisten von uns kennen die fünf klassischen Sinne: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Für die Entwicklung des Kindes sind jedoch zwei „versteckte“ Sinne auch besonders wichtig:
Der Gleichgewichtssinn (Vestibuläres System): Er sitzt im Innenohr und sagt dem Gehirn, ob wir uns bewegen, wie schnell wir sind und in welche Richtung wir uns drehen.
Das Körpergefühl (Propriozeption): Über unsere Muskeln und Gelenke erfährt das Gehirn ständig, wo sich unsere Arme und Beine gerade befinden, ohne dass wir hinschauen müssen.

Wenn der „Verkehrspolizist“ durcheinanderkommt
Manchmal arbeitet das Gehirn die Sinnesreize nicht richtig ab - es spürt zu viel und ist überfordert, oder die Reize kommen gar nicht richtig an. Das nennt man dann eine sensorische Verarbeitungsstörung. Für betroffene Kinder kann sich der Alltag anfühlen, als gäbe es ein riesiges Verkehrschaos im Kopf:
Überempfindlichkeit: Manche Kinder nehmen Reize viel zu stark wahr. Ein kratzendes Etikett im T-Shirt oder ein lautes Staubsaugergeräusch kann für sie schmerzhaft sein oder Angst auslösen.
Unterempfindlichkeit: Andere Kinder bemerken Reize kaum. Sie spüren vielleicht erst dann etwas, wenn sie sehr fest angefasst werden oder sich sehr stark bewegen.
Bewegungsprobleme: Es kann dem Kind schwerfallen, Bewegungen zu planen. Es wirkt dann oft tollpatschig, lässt Dinge fallen oder hat Schwierigkeiten beim Malen und Schreiben.
Wie kann man helfen?
Die gute Nachricht ist: Das Gehirn ist lernfähig. Eine spezielle Form der Ergotherapie, die Ayres Sensorische Integration (ASI®), setzt hier an. Diese Therapie sieht oft aus wie einfaches Spielen, ist aber sehr gezielt aufgebaut. In einem Raum mit Schaukeln, Trampolinen und Klettergeräten bietet die Therapeutin dem Kind genau die Reize an, die es braucht. Das Ziel ist die „genau richtige Herausforderung“: Das Kind soll Erfolgserlebnisse haben und lernen, die Sinnesreize selbst besser zu ordnen.
Warum ist das wichtig?
Sensorische Integration ist das Fundament für fast alles, was das Kind im Leben lernt – vom Stillsitzen in der Schule bis hin zum Knüpfen von Freundschaften auf dem Spielplatz. Wenn wir verstehen, wie die Sinne zusammenarbeiten, können wir unsere Kinder besser unterstützen und ihnen helfen, die Welt mit Freude zu entdecken.
Hast du das Gefühl, dein Kind könnte von sensorischer Integration profitieren?
Dann melde dich bei mir - ich freue mich darauf!


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